Eltern machen Ausbildung in Teilzeit

Flexible Arbeitszeitmodelle für Eltern anzubieten ist für viele Arbeitgeber inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Eine Berufsausbildung in Teilzeit dagegen ist noch immer ein Novum. CROSSMEDIA ermöglicht es, den Berufsabschluss neben der Elternrolle zu realisieren:

Viele Mütter und Väter ohne Berufsabschluss wollen eine Ausbildung beginnen. Doch in Vollzeit können sie oft wegen der Kinderbetreuung nicht arbeiten. Das Modell der Teilzeitberufsausbildung geht auf ihre Bedürfnisse ein.

In Teilzeit arbeiten, wenn Kinder betreut werden müssen, ist mittlerweile für viele Eltern selbstverständlich. Doch was ist mit denen, die zwar schon Kinder haben, aber keinen Berufsabschluss? Sie haben oftmals nicht die Zeit, neben dem Elternsein noch eine Vollzeitausbildung zu absolvieren, wollen aber auch nicht ewig als Minijobber mit schlechten Perspektiven arbeiten oder gar Hartz IV beziehen. Eine Teilzeitberufsausbildung kann ihnen den Einstieg in einen besser bezahlten Job bieten.

Anfang September hat Katja Ollwitz mit einer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation begonnen. Statt 40 Stunden in der Woche arbeitet sie nur 30. Sie ist Teilzeitauszubildende in der Finanzbuchhaltung der Agentur für Mediaberatung Crossmedia. Als sie sich dort bewarb, wusste im Unternehmen noch niemand davon, dass eine Ausbildung auch in Teilzeit absolviert werden kann. „Ich habe dann erst einmal im Internet recherchiert“, sagt Ollwitz Chefin Nicole Kreft. Sie entschied sich für die 31-jährige Mutter, vor allem wegen ihres Alters. „Sie hob sich von den anderen Bewerbern deutlich durch ihre Reife ab“, sagt Kreft. Dass Ollwitz nur 30 Stunden und effektiv durch die Berufsschule nur 18 Stunden pro Woche im Unternehmen ist, merke Kreft kaum. „Durch ihre Stärken macht sie das wieder wett“, sagt Kreft. „Mütter arbeiten viel straffer und tougher als andere Mitarbeiter. Die, die in Vollzeit arbeiten, vertrödeln die Zeit auch mal.“

Ihre Stärke kennt Ollwitz ganz genau: „Ich habe organisatorisches Talent. Das muss ich als Mutter auch haben, weil ich sonst nicht alles unter einen Hut bekomme“, sagt sie. Eine Vollzeitausbildung käme für die Mutter einer fünfjährigen Tochter und eines dreijährigen Sohnes nicht infrage. Denn genau die zehn Stunden Unterschied zur regulären Ausbildung helfen Ollwitz ungemein. So kann sie ihre Kinder von der Kita abholen und in der Zeit betreuen, in der diese geschlossen hat und ihr Mann noch auf der Arbeit ist. „Würde ich in Vollzeit arbeiten, wäre das nicht machbar“, sagt Ollwitz. Kreft kennt das Problem, das Mütter und Väter haben, die arbeiten wollen. Sie selbst ist Mutter zweier Kinder. „Ich bin sehr dankbar, dass ich Vorgesetzte hatte, die mich unterstützt haben“, sagt sie. So hatte sie auch keine Bedenken, Ollwitz einzustellen. „Mütter und Väter fallen nicht öfter aus als andere Mitarbeiter“, sagt sie.

Ollwitz hatte vor dem Beginn ihrer Ausbildung viele Bewerbungen geschrieben. „Ich habe viele Absagen bekommen. Das war demotivierend“, sagt sie. „Einmal bekam ich auch die Rückmeldung, ich sei zu alt für eine Ausbildung.“ Im Schnitt sind die Frauen – ganz selten sind es Männer – die bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an einem vorbereitenden Kursus für die Teilzeitausbildung teilnehmen, 30 bis 32 Jahre alt. Auch Ollwitz nahm an einem solchen Kursus teil. „Die Teilzeitkräfte von heute sind die Vollzeitkräfte von morgen“, sagt Gabriele Schmitz von der Awo. „Ihre Kinder sind ja irgendwann groß.“

Der Kurs der Awo dauert sechs Monate. Die Teilnehmer bekommen Hilfe bei der Suche nach Stellen, beim Schreiben von Bewerbungen, bei der Kontaktaufnahme mit den Betrieben und bei der Vorbereitung auf die Vorstellungsgespräche. „Wir helfen aber auch dabei, eine Kinderbetreuung zu finden“, sagt Schmitz. „In einzelnen Fällen können bei uns Deutsch-, Mathe- und EDV-Kenntnisse aufgebessert werden.“ Seit 2005 gibt es die Teilzeitberufsausbildung schon. Personen, die durch bestimmte Einschränkungen nicht in Vollzeit arbeiten können, zum Beispiel weil sie Familien- oder Pflegepflichten haben, können eine solche Ausbildung machen. „Die Nachfrage ist hoch“, sagt Anke Jürgens, die Beauftragte für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt beim Jobcenter Düsseldorf. „Bei den Betrieben ist das Konzept leider noch nicht so bekannt.“ Nach Informationen des Jobecenters waren in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr 0,41 Prozent der Ausbildungen Teilzeitplätze.

Da das Ausbildungsgehalt oftmals nicht zum Leben reicht, beantragen die Teilzeitauszubildenden Berufsausbildungsbeihilfe. Auch dabei bekommen sie Unterstützung von der Awo. „Bei dem Gehalt gibt es keine gesetzlichen Regelungen. Es gibt Betriebe, die das Gehalt zahlen, was eine Vollzeitkraft auch bekommen würde, und es gibt Betriebe, die es an die Stundenzahl anpassen“, sagt Jürgens. Auch wenn die Teilzeitauszubildenden nicht Vollzeit arbeiten, verlängert sich ihre Ausbildungszeit nur in seltenen Fällen. „Wir raten, mindestens 30 Wochenstunden zu machen, dann kann in der Regelzeit die Ausbildung absolviert werden“, sagt Schmitz.

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