Eine Frage des Niveaus

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Markus Biermann nimmt Stellung zum Vorwurf mangelnder Qualität der Medien als Folge der Digitalisierung:

Der Vorwurf mangelnder Qualität der Medien hat Konjunktur, häufig wird die Boulevardisierung beklagt. HORIZONT hat Mediaexperten gefragt, wie dem zu begegnen ist. Hat die Digitalisierung aus Ihrer Sicht tatsächlich zu einem spürbaren Qualitätsabfall der Medien geführt, und wie kann dem entgegengesteuert werden?

Die Verfilmung des Theaterstücks „Terror“ macht deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt: Während in den Schauspielhäusern etwa 40 Prozent für schuldig plädiert haben, sind es im Massenmedium TV nur 13 Prozent. Damit ist per se nicht gesagt, dass TV-Zuschauer mehr oder weniger im Durchschnitt liegen, sondern dass in Zeiten der Reichweiten-Fragmentierung der Reiz im Überbetonen der Massenakzeptanz liegt. Es gibt nicht zwei, sondern 25 Kochsendungen. Nach meiner Einschätzung gehen Redaktionen und Medien den gleichen Weg wie auch Politiker: Statt eigener Ideen und Pluralität stellen sie Mainstream und Massengeschmack in den Fokus. Dadurch ist auch das Erstarken der rechten Meinung mit zu erklären. Das sichert mutmaßlich Reichweite und Auflage, aber
gleichzeitig auch den stetigen Niedergang der Qualität. Die Digitalisierung der Medien trägt daran weniger Schuld als das Interesse an „Soft News“ mit viel Emotion und wenig Inhalt. Zudem wird jeder Schritt der Automatisierung genutzt, um Prozesse noch schlanker zu machen. Wer dann die gewonnene Zeit, das Geld und die Ressourcen nicht in Produktdifferenzierung und -qualität steckt, wird verlieren.

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